
„So weit, bis es in Ihrem Unternehmen aussieht wie auf unserem Foto, sollten Sie es nicht kommen lassen “
Herr Elschenbroich, der Geschäftszweck Ihrer Firma im Handelsregister lautet: „Entwicklung, Begleitung und Umsetzung von Prozessen im Umfeld von Organisations- und Personalentwicklung unter Einsatz von Analyse-, Moderations-, Beratungs- und Coachingmethoden“. Erläutern Sie uns dies näher?
Gerne: Zum einen begleiten wir nicht nur Prozesse, sondern ganz bewusst und gezielt die Menschen, die von den Prozessänderungen und Entwicklungen betroffen sind. Zum anderen wäre es treffender gewesen, beim Geschäftszweck Mentoring und Coaching gleichberechtigt zu nennen.
Coaching, Mentoring: Wo liegen die Unterschiede, wann wenden Sie welche Methode an?
Ein Mentor ist dann gefragt, wenn es um die Einarbeitung, Entwicklung und Förderung junger, unerfahrener Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter mit hohem Entwicklungspotenzial geht, sogenannter High Potentials. Der Mentor oder Sponsor übernimmt für den Mentee eine Patenschaft. Coaching hingegen ist eine professionelle Beratungsmethode, sozusagen „Hilfe zur Selbsthilfe“. Der zertifizierte Coach hat sich für seine Beratungsleistungen qualifiziert und verfügt daher über besonderes Methodenwissen. Dabei pflegt der Coach, anders als der Mentor, ein neutrales Verhältnis auf gleicher Augenhöhe zum Coachee oder Klienten.
Während wir das Mentoring hauptsächlich aus dem Berufsleben kennen, scheint das Coaching in nahezu alle Lebensbereiche vorzudringen. Deshalb unsere Frage: Was genau versteht der Coach unter Coaching?

Bei einer Suchanfrage nach Coach oder Coaching sticht in der Tat die enorme Anzahl der Fundstellen im Internet ins Auge. Sofort anschließend fallen die abweichenden Begriffserklärungen auf. Wir orientieren uns an den Begrifflichkeiten und Regeln des Deutschen Bundesverband Coaching e.V. (DBVC) und verstehen Coaching als professionelle Beratung, Begleitung und Unterstützung von Personen mit Führungs- und Steuerungsfunktionen und von Experten in Organisationen.
Welche Ziele können durch ein Coaching tatsächlich erreicht werden?
Coaching zielt auf die Weiterentwicklung von Einzelpersonen oder Gruppen durch Lern- und betriebliche Leistungsprozesse, insbesondere im Hinblick auf berufliche Angelegenheiten. Es kann vorausschauend, Entwicklung fördernd, Orientierung gebend oder auch problemlösend angelegt sein. Coaching ist ein ergebnisorientierter Prozess und dient der Stärkung und dem Erhalt der Leistungsfähigkeit. Der Coach unterstützt seinen Klienten bei Veränderungsaktivitäten zur Verbesserung der beruflichen Situation. Indirekt werden durch die Aktivierung der Leistungsfähigkeit des Klienten, also seine Entwicklungsaktivität, auch die Entwicklung des Unternehmens und der Organisation gefördert.
Wann und wo ist der Einsatz von Coaching sinnvoll?
Um seinen Beratungsauftrag professionell zu erfüllen, wirkt ein Coach aus einer systemunabhängigen Position heraus, das heißt er steht außerhalb der Lebenswelt seines Klienten. Aber der Coach muss sich mit dieser Welt vertraut machen und muss sich damit auseinandersetzen.
Damit kennen wir immer noch nicht die Anwendungsbereiche und Anlässe des Coachings!
- In der Organisationsentwicklung kann Coaching als vorbeugende Maßnahme zum Minimieren von Risiken bei der Begleitung betrieblicher Veränderungen eingesetzt werden.
- Wenn wir die Führungskräfteentwicklung betrachten, dann dient Coaching als Erkenntnis- und Lernverstärker für Führungskräfte oder den Führungsnachwuchskräften, die an der Verbesserung ihres Wirkungsgrads als Führungskraft arbeiten möchten.
- Bei der Standortbestimmung wird Coaching herangezogen, um in Phasen betrieblicher und/oder persönlicher Neuorientierung Ordnungs- und Klärungshilfe zu leisten. Dies geschieht insbesondere über den Abgleich von Selbst- und Fremdbild, aber auch von eigenen und fremden Erwartungen. Zur Standortbestimmung gehört aber auch die Re-Stabilisierungshilfe bei der Verarbeitung kritischer Lebensereignisse im Berufs- aber letzlich auch im Privatleben dazu.
- Nicht zuletzt in der der Konfliktbehandlung wird Coaching genutzt, um in akuten oder schwelenden Krisensituationen Auswege aus einer Negativspirale zu finden, die von den Beteiligten aus eigener Kraft nicht gefunden wird.
Bei diesen vielfältigen Möglichkeiten: Ist Coaching also nahezu grenzenlos einsetzbar?
Coaching ist kein Allheilmittel für jede Lebenslage, sondern es gibt zweifellos Konstellationen mit erhöhtem Misserfolgsrisiko. Es wird einerseits kritisch wenn der Coach sich zum Experten entwickelt und sich das Expertentum in die Coach-Klientenbeziehung überträgt. Dann wird der Coach zum Schattenmanager und hat den Boden des Coachings verlassen. Andererseits ist der Coach auf dem falschen Weg, wenn er seelischen Beistand leistet, denn das fällt in den Aufgabenbereich eines Therapeuten.
Das heißt, es gibt Konstellationen, in denen Sie als Coach einen Auftrag ablehnen?
Ich war gerade dabei zu definieren, wann Coaching einsetzbar ist. Definieren heißt hier aber auch, die Bereiche zu benennen, in denen Coaching aus ethischen oder aus fachlich-methodischen Gründen nicht zum Einsatz kommen sollte. Sie müssen davon ausgehen, dass die meisten Coaching-Interessenten eines gemeinsam haben: Sie befinden sich in einer beruflichen und/oder persönlichen Schwellensituation. Damit sind die Übergangsphasen gemeint, in denen – sei es von innen getrieben oder durch äußeren Druck veranlasst – die vertrauten Denk- und Verhaltensroutionen an neue Verhältnisse angepasst werden müssen.
Ein erhöhtes Misserfolgs-Risiko besteht, oder eine Verschlechterung der Situation droht etwa, wenn der Klient oder die Klientin ein aus der aktuellen Situation nicht aufklärbares psychisches Störungsbild zeigen oder es ihnen an innerer Veränderungsbereitschaft mangelt. Gleiches gilt, wenn Klient oder Klientin kein oder zu wenig Veränderungspotential besitzen. Eine Zusammenarbeit ist zum Beispiel auch dann unmöglich, wenn es den Klienten an Realitätssinn mangelt oder sie den/die Coach nicht akzeptieren.
Kann es denn auch andere Gründe geben, die gegen ein Coaching sprechen?
Es gibt im Umfeld bisweilen betriebliche Störungen die nicht durch Anstrengungen eines Einzelnen veränderbar sind. Sehr schwer wird es wenn im Umfeld an Veränderungswillen und/oder an Veränderungsglauben fehlt. Das gleiche gilt, wenn aus dem Umfeld unzureichende Ressourcen bereitgestellt oder unzulässige Restriktionen vorgegeben werden.

Natürlich kann es auch am Coach liegen. Zum Beispiel, wenn der Coach nicht unabhängig ist gegenüber dem Klienten, oder wenn zu große oder zu geringe Distanz zum Problem oder zur Person des Klienten vorliegen. Selbstredend, dass mangelnde Erfahrung des Coaches oder auch fehlende Fach- und Feldkompetenz für das Thema einem möglichen Mißerfolg Tür und Tor öffnen.
Bitte gestatten Sie eine abschließende Frage: Was ist für Sie die wichtigste Triebfeder und Motivation als Coach zu arbeiten?
Es ist meine Lust am Lernen und der Spaß an meiner Entwicklung aber auch meine Freude an der Entwicklung anderer Menschen.
Herr Elschenbroich, wir danken Ihnen für das Gespräch.