Ich habe vom 2. bis 4. Mai die re:publica besucht. Dieses Jahr wurde das Event zum ersten Mal in der STATION-Berlin (ehema­liger Bahnhof) veranstaltet. Der Umfang der Veran­staltung war atem­be­raubend: Über 4.000 Teil­nehmer und über 250 Speaker auf 8 Bühnen. Die Sessions waren thema­tisch sehr viel­fältig: Das Internet wurde aus vielen Blick­winkeln betrachtet. Durch diese große Vielfalt hatte man die Qual der Wahl sich zwischen mehreren, gleich­zeitig statt­fin­denden, inter­es­santen Ange­boten entscheiden zu müssen. Die Sessions waren sehr inter­aktiv gestaltet, da z.B. meist Zwischen­fragen aus dem Publikum erlaubt und erwünscht waren. Die dies­jährige Veran­staltung stand passen­der­weise unter dem Motto Act!on.

Ich möchte hier nicht die einzelnen Sessions erwähnen, die ich besucht habe, aller­dings möchte ich meine Lieb­lings­ka­te­gorien nennen: RE:PUBLICA, RE:HEALTH, CO:FUNDING, RE:PORT und RE:PLAY. Ich nehme sehr viel Input, neue Aspekte, tolle Ideen und inter­es­sante Sicht­weisen mit nach Hause. Gerade der Einsatz von Social Media im Gesund­heits­sektor (Kliniken und Alten­pflege) hat mich sehr inter­es­siert. Da wir durch unser Tool der Mitar­bei­ter­be­fragung in diesem Bereich tätig sind möchte ich mich inten­siver mit der Nutzung der Social Media Tools speziell im Gesund­heits­sektor ausein­an­der­setzen, um die Häuser indi­vi­du­eller beraten zu können. Die Praxis­bei­spiele der Redner haben gezeigt, dass dort noch viel Arbeit vor uns liegt, da viele Kanäle weniger optimal einge­setzt und teil­weise falsch verstanden und genutzt werden.
Außerdem habe ich viele Infor­ma­tionen und Denk­an­stöße zum Thema “crowd­funding” und “crow­din­vestment” erhalten und werde mich daher näher mit dem Thema  beschäf­tigen. Das Thema ist gerade in dem Bereich der klei­neren Projekte, indem wir uns bewegen, sehr inter­essant und könnte dazu führen, dass mehr Projekte umge­setzt werden können, da die alte Banken­fi­nan­zierung mehr und mehr an Einfluss verliert. Ich möchte dort mehr Infor­ma­tionen und Erfah­rungen sammeln, um das Wissen an unsere Kunden weiter­zu­geben, weil ich der Meinung bin, dass “Crowd­fi­nan­zierung” eine echte Alter­native zur Finan­zierung klei­nerer Projekte ist.
Eben­falls nicht zu verachten ist die aktuelle Diskussion über Patent- und Urhe­ber­recht, die mir durch exzel­lente Vorträge z.B. von Udo Vettel vom Law Blog näher­ge­bracht wurde und meine Sicht­weise geschärft hat.

Der Wandel des Computer-Users war auch ein Thema dieses Jahr, was mich sofort ange­sprochen hat. Folgendes Video, vom ersten singenden Computer (IBM 7094) aus dem Jahre 1961, möchte ich euch nicht vorent­halten, da es die erste Vermensch­li­chung der Computer zeigt.

Neben den tollen Sessions, war mir aber der Offline-Kontakt zu den vielen netten Menschen wichtig, die ich im Laufe der Zeit durch Twitter, Facebook und Co. kennen­ge­lernt habe. Daher musste ich immer wieder Kompro­misse eingehen und mich zwischen Vorträgen und persön­lichen Treffen entscheiden. Neben dem festen Angebot konnte man auch im “Open Space” in der oberen Etage eigene Ideen präsen­tieren und mit anderen in Kontakt treten. Dort waren Tische zum Bloggen, aber auch zum Austausch aufge­stellt. Für mich inter­essant war das Angebot der eigenen Work­shops. Dort konnte jeder ein Thema und Uhrzeit fest­legen, Werbung in eigener Sache machen und hatte somit einen eigenen Workshop ins Leben gerufen. Den Speed Networking Workshop habe ich leider zu spät erspäht, war aber wohl sehr lustig, da die Visi­ten­karten nur so über den Tisch flogen.

Ich habe am letzten Tag an einem Workshop von DriveNow und flinc teil­ge­nommen, Thema: Wie sollten zukünftige Social Media Features im Car Sharing aussehen? War wirklich inter­essant und das anschlie­ßende Gespräch sehr aufschluss­reich.

Die Sitz­land­schaft (von mir liebevoll Affen­felsen genannt) in der Mitte des re:publica squares bot einen ange­nehmen Aufent­haltsort zum Abschalten, Herumlungern, Quat­schen und zusätzlich die Möglichkeit Geräte zu laden. Direkt daneben waren hunderte von bunten Plas­tik­stühlen (Floating Chairs) aufgebaut, die von den Besu­chern in irgend­einer Weise genutzt werden sollten, kreative Stuhl­kreise, spontane Sitzungen; einzige Vorgabe, sie sollten genutzt werden. Im Endeffekt wurden die meisten Stühle zusätzlich in die Veran­stal­tungs­räume geschleppt, da bei einigen Sessions der Andrang größer war als gedacht. Und ja, man konnte den Stühlen tatsächlich beim Wandern zusehen. Um nach drei Tagen der emotio­nalen Bindung Rechnung tragen zu können, konnte man sogar die Stühle käuflich erwerben und von der DHL kostenlos nach Hause trans­por­tieren lassen.

Das Projekt tweet­scapes, das hashtags auditiv erleben lässt, hat mich einige Minuten gefesselt. Dabei werden deutsche Twitter-Nachrichten in Echtzeit rund um die Uhr in abstrakte Klänge und Bilder umge­wandelt.

Die Malteser haben Erste Hilfe für Nerds ange­boten: Sie haben nämlich Handys aufge­laden. Dort konnte man sein Gerät abgeben und später geladen wieder abholen. Ich musste aller­dings fest­stellen, dass die Netz­spannung wohl beein­trächtigt war, denn die Ladezeit war länger als sonst.

Fazit: inter­es­sante Sessions, nette Menschen getroffen, tolles Klassentreffen, ich freue mich schon auf die re:publica 2013!

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